Westerweg-Schizophrenie

C33 “Schizophrene Psychosen” und das “Phänomen Stimmenhören”

     – Wissen – Verstehen – Handeln –

 „Menschen vergessen was du sagtest, Menschen vergessen was du tust, aber Menschen vergessen nie die Gefühle, die du ihnen gabst“

(Poppy Buchanan-Barker)

 

Menschen, die an Psychosen erkrankt sind, erleben häufig erhebliche Herausforderungen im Alltag. Emotionale Erschöpfung, Ängste, Verzweiflung oder kognitive Verwirrtheit können dazu führen, dass es ihnen schwerfällt, zu sich selbst und zu anderen Menschen eine stabile Beziehung aufzubauen. Zudem gelingt es uns oftmals nicht, sie für eine kontinuierliche therapeutische Zusammenarbeit zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie es uns gelingen kann, Betroffene mit Empathie, Toleranz, Bescheidenheit, Ausdauer und einer aufrichtigen, respektvollen Haltung zu begleiten, ohne sie zu entwürdigen oder auf reines Verwalten und Managen zu reduzieren, auch wenn das übergeordnete Ziel einer vollständigen Heilung nicht immer erreichbar erscheint.

 

Eine mögliche Antwort besteht darin, Menschen mit Psychosen als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Erfahrungen anzuerkennen. Dies bedeutet, ihren Erzählungen Raum zu geben, aufmerksam zuzuhören, auf ihre subjektiven Wahrnehmungen zu vertrauen und gemeinsam individuelle Unterstützungswege zu entwickeln. Dabei sollten wir stets im Blick behalten, dass wir keinen unmittelbaren Zugang zu den Innenwelten unserer Patientinnen und Patienten haben. Unser fachliches Wissen speist sich vorwiegend aus einer Außenperspektive. Wirklich tragfähige Beziehungen entstehen jedoch erst, wenn wir bereit sind, von den Betroffenen zu lernen. Das daraus entstehende gemeinsame Verständnis schafft die Grundlage, verlässlich an ihrer Seite zu bleiben und therapeutische Kooperation zu ermöglichen.

 

In der Begleitung von Menschen mit Psychosen ist es daher von hoher Relevanz, einen Zugang zu ihrem subjektiven Erleben zu entwickeln und Phänomene wie das Stimmenhören nicht ausschließlich als Ausdruck einer dauerhaft schweren psychiatrischen Erkrankung zu betrachten. Zwar wird Stimmenhören im ICD-10 als typisches Symptom der Schizophrenie diagnostiziert – diese Perspektive blendet jedoch häufig individuelle Bedeutungszusammenhänge aus, kann therapeutische Prozesse erschweren und Rückfälle begünstigen. Noch immer wird in der psychiatrischen Versorgung häufig der Fokus vorwiegend auf medikamentöse Interventionen gelegt, während eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Stimmen mitunter vernachlässigt wird. Eine einseitige Behandlung mit Medikamenten stellt jedoch oftmals keine nachhaltige Lösung dar, zumal sie bei vielen Betroffenen nicht die erhoffte Wirkung erzielt. Im Gesundungsprozess scheint vielmehr die veränderte Beziehung der Patientinnen und Patienten zu den Stimmen sowie die Einbettung dieser Erfahrungen in die eigene Lebensgeschichte zentral zu sein. Erst wenn es gelingt, die Stimmen in einen biografischen Kontext zu stellen und ihre Bedeutung zu reflektieren, können Betroffene schrittweise Kontrolle zurückgewinnen – über die Stimmen und damit über ihr eigenes Leben.

 

Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über die Symptome und Entstehungshypothesen einer Schizophrenie. Darüber hinaus betrachten wir die medikamentösen und therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten und lernen vor allem auch die subjektiven Perspektiven von Betroffenen kennen. Zudem stellen wir uns der Frage, ob die Annahme einer Psychose als reines Defizitmodell überhaupt noch zutreffend ist.

 

Inhalte:

  • Krankheitsbild und diagnostische Kriterien
  • Entwicklungshypothesen und Erklärungsmodelle
  • Psychodynamik in der Begleitung
  • Therapeutische Haltung
  • Medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten
  • Einbezug der Subjektperspektive
  • Stimmen als Ausdruck innerer Konflikte
  • Das Maastrichter Interview
  • Intervention für stimmenhörende Menschen
  • Fallbeispiele und Praxistransfer
  • Sensibilisierung und Austausch

 

Methoden:

Vortrag im Dialog, Fallbeispiele, Rollenspiele, Kleingruppenarbeit und Erfahrungsaustausch im Plenum

 

Zielgruppe: Das Seminar richtet sich an alle patientennah tätigen Personen, unabhängig von der Berufsgruppe. Auch Genesungsbegleiter:innen (sprich: ehemals Betroffene) oder  Betroffene würden die Gruppe um die Subjektperspektive hervorragend erweitern.

 
Termin:        Montag, 23.11.2026 (10 Uhr) – Dienstag, 24.11.2026 (17 Uhr)
                   
                     insgesamt 16 UE
 
Ort:               4*-Konzepthotel HGS³ – Schelklingen
 

Kosten:         440,- € (mit Rabatt: 416 ,- €) inklusive Tagungshauspauschale für Räumlichkeiten, Tagungsgetränke, 3-Gang-Mittagessen, Obst am Vormittag und

                                                                                     Kleingebäck am Nachmittag

 

                     Sie benötigen eine Unterkunft während Ihres Aufenthalts? Wir empfehlen:

          • Konzepthotel HGS³ – Schelklingen (ab 115,- € / Nacht inkl. Frühstück und Stornierbarkeit → Als TN unserer Kurse können Sie bei verfügbarem Kontingent für 105,-€ / Nacht inkl. Frühstück im Hotel unterkommen! Geben Sie dies bei Ihrer Buchung deshalb unbedingt an! )
          • Gasthof „Hirsch“ – Schelklingen/Schmiechen (ab 52,50 € / Nacht zzgl. 9,90 € Frühstück)
          • BLB – Hotel – Blaubeuren (ab 60,- € / Nacht ohne Frühstück, inkl. Stornierbarkeit)

 

Referentin:

Anne Westerweg

Pflegeexpertin (B.A. Psychiatrische Pflege / M.A. Interdisziplinäre Psychosentherapie)

Leiterin des Weiterbildungsinstituts der LWL-Klink Hemer

Lehrgangsleitung und Dozentin in der Fachweiterbildung «Psychische Gesundheit»